Berlin/Sydney
Seit einiger Zeit inszeniert Volker März an unterschiedlichen öffentlichen Orten Figurengruppen, wie im Museum für Kommunikation (2001), im Italienischen Kultur-Institut (2001), im Wasserspeicher (2000), im Umweltbundesamt (2001), in der Charite' (2002) oder im Haus am Waldsee (2002). Die Gruppen bestehen aus handgeformten, bemalten Tonfiguren und provozieren mit einem kalkulierten, motivischen Ansatz den Betrachter. Durch zugespitzte Posen, freche Gesten und mit heftigen und satirischen Attributen ziehen sie die Aufmerksamkeit Betrachters schnell auf sich um dann durch ihre Unverfrorenheit zu amüsieren oder zu schockieren. Es scheinen serielle Typen zu sein, jede einzelne Figur ist jedoch als selbständiger Handling modelliert, keine Figur gleicht der anderen.
Die Figuren treten zueinander in Bezug, können aber auch allein stehen. Sie sind unterschiedlich gross und der Raum, in dem die Figuren agieren, verliert so den Maßstab. Das Haupthema der Ausstellung ist die menschliche Scham, eine der grundlegenden Eigenschaften, die den Menschen zum Individuum werden lassen. Durch Auseinandersetzung mit Sartre "Das Sein und das Nichts" wird das Thema der Scham mit dem des Blicks verbunden.
"Der Blick, den die Augen manifestieren, von welcher Art sie auch sein werden, ist reiner Verweis auf mich selbst...Ich kenne mich selbst nicht als Subjekt sondern nur durch den Blick des anderen".
Volker März hat diese philosophischen Grundfeste neben anderen wie: Gier, Profit, oder Einsamkeit zu einem künstlerischen multimedialen Projekt werden lassen. In vorhergehenden Projekten widmete er sich bereits Friedrich Nietzsche oder Giordano Bruno.
Im vergangenden Jahr setzte Volker März mit der Performance Gruppe "Gravity feet" dieses Thema in Sydney um. In schwarze Röcke gehüllt, die als ein zur Pyramide umgedrehtes schwarzes Dreieck die Scham symbolisieren, mit akzentuierten Brustwarzen und roten Ohren lässt der Künstler die Performer soziale und instinktive Grundkonstellation des Mit,- und Gegeneinander ausloten.
In den Medien Plastik und Performance wird der Mensch als 'stereotypes Individuum' behandelt. Figuren werden installiert, Performer fotografiert. Der Mensch ist Opfer seiner eigenen Schwächen. Scham und Blick als kreatives Potential und Weg der Erkenntnis. Die Tonfiguren werden stellvertretend zu Anklägern der Gesellschaft. Sarkastisch und schonungslos scheint die März' sche Analyse des Individuums.