| Zu Beginn dieses Jahres hielt Louise Paramor Einzug in die Berliner Kunstszene in einem Lustgarten farbiger und voluminöser Faltobjekte im Künstlerhaus Bethanien. Wunderschön-glamourös und schamlos-repetierend eroberten sich die einem Blatt Papier entsprungenen skulpturalen Boten exzentrischer Formlust den dreidimensionalen Raum. Die Ausstellung vereinte zwei spannungsreiche Grundfeste des Schaffens der australischen Künstlerin (Jg.64). |
| Wo immer die Künstlerin Hand anlegt wird ein effektvolles Szenario entstehen: wie in ihrer gigantischen Chandelier Installation in der St. Patricks Kathedrale in Melbourne (1997) oder mit einem riesigen, wabenförmigen Leuchter plaziert in einem barocken Chinoiserie-Saal im Lustschlösschen Pillnitz (2000) oder in Mitten der neo-romanischen Eingangshalle des Ausstellungshauses Bethanien. Schöner Schein baut ästhetische Erwartungshaltungen auf und gleichzeitig thematisiert sie deren Bruch. Nicht das Schaffen von Schönheit oder bildnerischem Sein ist künstlerischer Anspruch, vielmehr wird die Illusion gekonnt celebriert. Beauty als garantierte Ressource der Aufmerksamkeit - der Betrachter hat seinen Zoll sehr schnell gezahlt. Anziehung ist Inhalt und Beweggrund der Existenz ihrer Kunst. |
| Seit ihrem Arbeitsaufenthalt in Indien (1995) benutzt Paramor kontinuierlich sehr leichte Materialien, wie Metall und Plastikfolien oder Papier. Sinnliche Realitäten werden durch geschicktes Formen und seit sie in Berlin lebt durch aufwendige Wiederholung im Prozess der honey-comb-paper Technik hergestellt. Die Anziehung der Objekte von Paramor entspringt weder Eigenschaften von Material noch dem physischen Potential der Objekte. Auch kann man ihnen keine Akzeptanz zusprechen, weil ihrer Herstellung kein ernsthafter Inhalt zu Grunde liegt. Paramor verwehrt sich selbst zu bilden, sie spiegelt Mechanismen unserer Sinnlichkeit und führt uns in den aufklärerischen Garten elitärer Eitelkeit einer high-art Elite. |
| In der Ausstellung foam-born wird ein weiterer dritter Aspekt des typischen Paramorschen Kunstanspruchs vorgeführt. Paramor erliegt wissentlich der Anziehung jener Objekte, die versuchen durch suggestive Gebärden und manierierten Ausdruck Schönheit vorzuführen. Sie schöpft aus den alltäglichen Ressourcen unserer Konsum- und Trashkultur. Reizvoller Kitsch wird zur Schau gestellt und dokumentiert ohne legitimieren zu wollen. Jenen kritischen und ästhetisch geschulten Betrachter hält sein routiniertes Urteilsvermögen davon ab, die Paramorschen Fundstücke in ihrer unverfrorenen und obszönen Frivolität zu tolerieren. Entdeckt hat die Künstlerin Objekte, die naiv und von jeglichem theoretischen Kunstanspruch entfernt Inhalte oder Motive transportieren, die zu den privaten Altären oder Heiligtümern der Allgemeinheit gehören und kulturelle Wurzel unserer Gesellschaft sind. |
| Gewagt ist die provokative Gradwanderung, die Louise Paramor sowohl in den von ihr gefertigten Kunstwerken, als auch in der Auswahl und Zusammenstellung der Objekte unternimmt. Sie führt entlang einer Linie, die zwischen konträren Polen verläuft: Volumen wird wie Schaum in extremer Leichtigkeit entfaltet. Kalkulierte und aufwendige Herstellung, sowie barock-inszenierter Pomp verbinden sich mit wertlosem Material und voraussehbarer oder intendierter Vergänglichkeit der Objekte. Formuliert wird klassisches Formenrepertoire aufgeführt in affektierten Gesten. |
| Aphrodite, die schaumgeborene Göttin der Schönheit, auf einer Muschel schwebend, mit im Winde wehendem Haar und leichtem Schwung der Hüften. Ein Abbild, das seit Jahrhunderten auf anziehende und augenscheinliche Reize reduziert wird. In seiner einschränkenden Unschärfe gegenüber literarischen Quellen wird einer Sehnsucht nach besitzergreifender, lustvoller Schönheit nachgekommen. Ideale Schönheit ist Schein, vergänglich und verletzbar im alltäglichen Gebrauch. |