Die australische Künstlerin Louise Paramor wird in ihrer zweiten Einzelausstellung im room for contemporary sculpture ihre konzeptuell-plastische Auseinandersetzung mit populärer Ästhetik fortsetzen. Ihre Materialen findet sie auf Flohmärkten und in Schnäppchenläden.
Die Ausstellung "The Love Artist" kreist um das Thema der Erotik und besteht aus drei sich ergänzenden Bereichen.
Im Hauptraum werden zwei aus 'objectes trouve' bestehende Installationen vorgestellt. Zum einen eine Reihe von riesigen kitschigen Badehandtüchern, zum anderen eine Sammlung von in Australien und GB sehr populären Mills and Boon Liebesromanen. Beide Gruppen werden jeweils auf speziell entwickelten Konstruktionen installiert und formen so feste und eigenständige Strukturen, die die Künstlerin zu autonomen Skulpturen werden lässt.
In den eigentlich formal sehr voneinander abweichenden Objektgruppen wird die gängige ästhetische Vorstellung von Romantik und Erotik visuell instrumentalisiert. Beide Objektgruppen bedienen ein zum Klischee pervertiertes Image von Verlangen und Begierde, ohne dabei auf ein reales Pendant zu referieren. Durch einen künstlerischen Eingriff - Paramor stickt bestimmte Buchtitel wie " A Lovin' Spoonful" als Bildunterschriften auf die Handtücher - wird auch real verbunden, was zuvor im Kontext verglichen wurde.
In einem zweiten Raum wird eine Fotoserie stilisierter Liebespaare in der Art von Coverästhetik und Badetuchoptik zu sehen sein. Die Aufnahmen sind durch die Künstlerin - mit Respekt der individuellen Vorstellung der Modelle - von ihr befreundeten realen Paaren gemacht und wurden dann mit Photoshop manipuliert. Jedes einzelne Foto trägt einen speziellen Titel und referiert so auf den ergreifenden Sprachstil der Pfennigromane. Die Künstlerin versucht nicht eine journalistische Gegenüberstellung des Realen zu veranstalten, sondern vielmehr spielt sie mit der populären Art der verflachenden Technik der digitalen Bildbearbeitung. Die Bilder erscheinen vielleicht unverfänglicher als man zunächst glaubt und es vermischen sich hier scheinbare Durchbrüche realer Zweisamkeit mit der absichtlich kitschigen Oberflächlichkeit.
Die Kombination der drei Werkgruppen verbindet billige Materialen mit vulgären und realen Bildvorstellungen, um dann einen übergreifenden, referenziellen Rahmen zu bilden, so dass der Betrachter mit einem gängigen visuellen Klischee konfrontiert wird, das von Paramor zu stark formalisierten Skulpturen geformt und damit zu Kunst erhoben wird. The Love Artist inspiziert stereotype Repräsentation: Bilderwelten, die gemeinhin abwertend als der Alltagskultur - Low Cultur - zugehörig eingestuft werden. Sie bringt uns Bilder und Objekte zu Augenschein, zu denen man zuvor durch Vorurteile und einverleibte ästhetische Sehurteile kaum Zugang hatte. Sie fordert so zu einer möglichen neuen Urteilsfindung und Klischeeüberprüfung auf.
The Love Artist-English version
In her second solo exhibition at breitengraser - room for contemporary sculpture, Australian-born Louise Paramor pursues her investigation into popular aesthetics, using materials unearthed on flea markets and opportunity shops.
Articulated around the theme of eroticism, The Love Artist presents itself as an installation in three complementary parts.
The main gallery features two bodies of found objects, one a set of 'girlie' beach towels, the other a collection of Mills and Boon romantic novels, popular in the UK and Australia. Displayed on specially conceived structures, both groupings have been assembled to form autonomous sculptural objects. The two formally heterogeneous categories of objects are linked by their use of aesthetic qualities current in popular imagery related to eroticism; both sets refer to ideas and representation of wanting and desire - rather than their counterpart in reality.
In the back gallery, a series of manipulated photographs of contemporary couples echoes the peculiar gusto of the towels. Each picture furthermore carries a specific title emulating the catchy style characteristic of dime novels the world over. Unlike the generic figures on the book covers, however, the couples seen here are not staged, but were instead caught in their private sphere, with only slight arrangements in pose and clothes. Similarly, the subsequent image manipulation is itself merely cosmetic, and only vaguely suggestive in its appreciative use of banal style sheets. The images eventually appear less innocent than is evident at first glance, allowing for streaks of reality to break through the cracks of their apparently seem less kitschy surface.
The combination of the three series blends cheap materials with 'vulgar' and real imagery to construct a referential framework where viewers are confronted with a persistently clichéd environment. By elevating them to the status of highly formalised sculptures, The Love Artist puts a magnifying glass on stereotypical representations, images commonly disregarded as pertaining to 'low culture'. In highlighting such 'light-weight' objects and images, Paramor sets out to shift the viewers´ perspective on this type of imagery and not least to challenge their own aesthetic categories.