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Joulia Strauss wird eine sehr komplexe interaktive Computerskulptur präsentieren, die der deutschen Romantik huldigt. Der Galeriebesucher kann sich ein persönliches Gedicht bestellen. Über bestimmte selbstwählbare Kriterien - die lyrische Form und Thema, etc. betreffend - wird dann der Computer aus der "Versquelle" * von über 10.000 romantischen Gedichten ein jeweils neues Gedicht erschaffen. Diese Gedichte werden von Joulia Strauss mittels unterschiedlicher Computertechnologien mit visuellen Oberflächen verbunden, die es ermöglichen romantische Dichter für den Betrachter zu reanimieren. Diese hybriden virtuellen Dichter werden am 11. September das vom Besucher bestellte Gedicht über eine Projektion im Galerieraum "live" sprechen. Es sind einmalige Gestalten, die ausgelöst durch subjektive Wünsche ins Leben gerufen werden. Eine exklusive Reihe "Zwölf Deutsche Dichter Hybride, 2003"- Ikonen modernster, konzeptueller Skulptur hängen in bebilderten Schatzkästchen nebeneinander an der Galeriewand und bergen im Inneren virtuelle Skulpturen. Bereits im Vorfeld der Ausstellung haben sich in nächtlichen, spirituellen Kunstsitzungen deutsche Kunstsammler zusammengefunden, die Joulia Strauss gebeten haben, eigens für sie entwickelte, romantische Dichterhybride zu erstellen. Diese bezaubernden, virtuellen Skulpturen, jede ein Unikat auf DVD und zum Teil bereits vor der Ausstellung in privaten Sammlerbesitz übergegangen, werden nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Diese Serie "Zwölf Deutsche Dichter Hybride" wird am 11. September 2003 abgeschlossen sein und von Joulia Strauss in einer Performance geweiht. Juolia Strauss vergleicht sich selbst oft mit einer Hexe. Als Künstlerin bewegt sie sich in unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen Netzwerken, die aktuelle geistes- und technikwissenschaftlichen Diskursen verschrieben sind. Beispielhaft hierfür ist ein Kreis, der um Prof. Friedrich Kittler an der Humboldt Universität existiert. Hier koppelt sie z.B. mit ihrer vorhergehenden Arbeit "FreudGeist und Automatenfehlleistung" an. Sie agiert als Mittlerin zwischen Wissenschaft und Kunst, verbindet den Ahnungslosen mit dem Fremden, sie führt uns zu Zwischengesichtern. "Zwischengesichter… es ist eine Rückübersetzung eines im Original viel jüngeren Wortes Interface-...das zwei Flächen, zwei Gesichter, ein drittes anderes und neues bilden können...(und dieses ist heute längst verflacht). Joulia Strauss zeigt Zwischengesichter und nicht im mindesten Interfaces zwischen Mensch und Maschine. Joulia bewegt sich und ihre Gesichter auf einer ganz anderen Grenzfläche, auf Scheidelinien, die nicht einfach den Computer vom Anwender trennen. Ihre Zwischengesichter markieren die reelle Grenzfläche zwischen Psyche und Technik." Wolfgang Hagen anlässlich: "VideoKabinet" Art_Sience Berlin, 2003
Als Künstlerin schafft Strauss mit eigenwilligem und reflektierendem Abstand zum klassischen ästhetischen Kanon modernste, digitale, schillernde Wesen, die den Traum vergangener Ideale in das Zukünftige transformieren. Wie eine schwarze Taube ließ sich Joulia Strauss auf den Ästen der deutschen Eiche nieder um uns auf unser Bitten wunderbare Medienwelten weiszusagen. *Der Jurist und Informatiker Hendrik Schumacher sowie der Kulturwissenschaftler Sebastian Kaiser entwickelten mit "www.Versquelle.de" einen computerbasierten Gedichtsgenerator, der interaktiv im Internet verwendbar ist. Gezeigt wurde er bisher unter anderem im Rahmenprogramm der Leipziger Buchmesse 2003. Eine große Anzahl heute rechtsfreier Gedichte, ca. 10.000 Stück, aus dem 18. Jahrhundert sind unter syntaktischen und metrischen Gesichtspunkten sowie nach der Wortfolge zerlegt und in eine Datenbank eingetragen. Das Programm der "Versquelle" rekombiniert diesen Datenbestand nach den Vorgaben des Nutzers, beispielsweise die Reimstruktur, Metrik-, Zeilen- und Textlänge betreffend. Durch zusätzliche Tools, wie etwa einen automatischen Reimanzeiger, können die generierten Gedichte mittels eines Texteditors von unvermeidbaren grammatikalischen Fehlern bereinigt und leicht in die vom Nutzer gewünschte Form gebracht werden. Mit der Analyse von Gedichten aus der Zeit der Aufklärung sowie deren nachfolgende Synthese verbindet sich derart die Deutsche Klassik mit gegenwärtigen technischen, medialen und ästhetischen Möglichkeiten. Der Programmieransatz ist dabei von der medientheoretischen Grundannahme umklammert, nach der Texte im 18. Jh. - parallel zur Rationalisierung des wissenschaftlichen Geistes - vor allem durch das Zeitschriftenwesen einer starken Formalisierung unterliegen und selbstähnlich werden. Das betrifft sowohl die Inhalte, äußert sich aber ebenso in immer wieder auftauchenden syntaktischen Strukturen. Da die "www.Versquelle.de" diese Parameter analysiert und sich die Originalgedichte anschließend selbst weiterschreiben, vermag sie medientheoretische Postulate zu exemplifizieren. Wir danken: Alexander Wahrlich, Art_Sience & Tarkan Sarim, The German Film School |