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1986 wurde durch Initiative der United States National Libary of Medicine der Entschluß gefaßt, eine digitale Datenbank mit dem Projekttitel "Visible Human Projekt" aufzubauen. Diese sollte visuelle Daten umfassen, die eine dreidimensionale Darstellung eines kompletten menschlichen Körpers virtuell ermöglichen würde. Dieses Projekt sollte digitalisierte photographische Bilder schaffen, die auf dem Wege unterschiedlicher Methoden wie: Computertomographie, elektromagnetischen Resonanzaufnahmen sowie kryogenisch, aus in 1 mm dünnen Scheiben geschnittenen Menschenkadavern gewonnen werden mußten. Die Leichen von zum Tode verurteilten Strafgefangenen wurden der Wissenschaft zur Verfügung gestellt und die daraus erwachsene Pixel-Datenmenge wurde 1991 der University of Denver anvertraut. Im November 1994 konnte das aufwendigst durch Verknüpfung erstellte männliche Datenpaket in der Größe von 15 Gigabytes der Öffentlichkeit via Internet zugänglich gemacht werden. Das weibliche Datenpaket folgte im November 1995.
(www.dhpc.adelaide.edu.au/projects/vishuman2) |
| Den jungen schottischen Künstler Keith Thompson faszinierte die Vorstellung jenes Zustandes, in dem sich jener namenlose Strafgefangene befunden haben muß, der wohl in Erwartung seines bevorstehenden Todes weniger über den wissenschaftlichen Nutzen seiner Einwilligung als vielmehr über einen der ältesten Menschheitsträume - Unsterblichkeit nachgedacht haben wird. |
| Ein anderer Ansatzpunkt für die Arbeiten von Thompson ist das Werk des Renaissance Malers Pierro della Francesca. Zu dessen Lebzeiten hatte sich 'der König der Malerei', wie er Mitte des 15. Jahrhunderts von Zeitgenossen wie Pacioli genannt wurde, innovativ mit der Geometrie und deren Nutzen in der Malerei und Graphik auseinandergesetzt. Sein Ansatz war bewußt objektiv und methodisch. Akribisch nahm er zeichnerisch Aufmaß der vielgestaltigen menschlichen Anatomie und übertrug diese in unterschiedlichen Rastern auf einen planen Bildgrund und war so in der Lage, unterschiedlichste Körperansichten zu entwerfen. Und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem die Malerei begann, den Weg von sehr flachen Darstellungen zu perspektivischer Behandlung von Körper und Raum zu beschreiten. Dieses neue Abbilden basierte auf den wissenschaftlichen Bemühungen jener an der neuen Technik der Perspektive interessierten und geschulten Maler. Heute ist dieses Vorgehen Grundlage für viele digitale Zeichen- und Animationsprogramme. |
| Selbstbewußt und innovativ verbindet Keith Thompson in seinem Werk handwerkliches Können und zeitbewußte Formensprache. |
| Keith Thompson nutzt die wissenschaftlichen Ressourcen aus dem World Wide Web und bereitet sie zeichnerisch für den Siebdruck auf. Auf hauchdünne Glasscheiben überträgt Thompson schrittweise das lebensgroße Abbild der namenlosen zum Tode Verurteilten. In knall rosa Inkarnat wird im Siebdruckverfahren und via Flächenstaffelung eine imposante dreidimensionale leuchtende Illusion geschaffen und wird so zur bilderischen Renaissance eines Verurteilten. Aus der virtuellen Realität der Internet-Pixelfluten macht er täuschend echte Erscheinungen, die sich in einem männlichen und einem weiblichen Paar auf Sockeln gegenüberstehen. Scheintod nennt man jenen Zustand, der irgendwo zwischen Tod und Auferstehung liegt. Beruhigend ist in jedem Fall, daß Thompson von Zeit zu Zeit seinen eigenen Körper künstlerisch reinkarniert!? |