Architektonische Körper sind Skulpturen, ihre Formen stehen im Raum. Die Flächen ihrer Außenhaut umschließen einen Raum und schaffen so die Qualität von Innen und Außen. Ein architektonisches Gebäude spiegelt in seinem ästhetischen Außen die Funktion oder den eigentlichen Inhalt seiner Existenz. Betrachtet man einen architektonischen Körper als Skulptur, wird die Komplexität seiner Funktionalität in den Hintergrund gestellt und rein ästhetische Maßstäbe angelegt, die Proportion, Licht und Schatten oder Details betreffen können.
Architektonische Details, wie jene Elemente, die die spannenden Stellen des Übergangs von Innen nach Außen markieren, sind - obwohl Räume verbindend - graphisch angelegt. Die Formensprache von Fenster oder Türen akzentuieren das Architekturbild oft durch eine markant/konsequente Ausbildung. Als herausgelöstes Element sind jene Details geeignete Repräsentanten architektonischer Traditionen. In der Ausstellung werden maurische Formen in einen fremden Raum transferiert.
Das berühmte Celosia-Fenster aus Córdoba wurde von Lara Lu Faroqhi nachempfunden. Die unterschiedlichen Formen des Fensterwerkes gewannen für die Künstlerin in ihren einzelnen geometrischen Formen so an Bedeutung, daß diese von ihr als Objekte nachgebildet wurden. Wieder als umgekehrte Raumzeichnung zusammengefügt entsteht ein Dialog mit dem funktional bestehenden Fenster des Glarieraums. Ursprüngliche reine Lichtformen wurden künstlerisch materialisiert und geben dem in den Raum einfallenden Licht Substanz.
Räumlich gestaffelt formen drei gläserne orientalische Bögen in der Mitte des großen Raumes eine skulpturalen Block, der im Inneren einen Gang bildet. Die Flächen schneiden sich in den Raum ein, schließen diesen jedoch nicht ab. Das einfallende Licht bricht sich in der Arbeit in einem sehr kühlen Spektrum. Die rauhe, bucklige und teilweise mit Rissen durchzogene Oberfläche der Rückseite der Glasplatten läßt die Arbeit wie erstarrtes Eis erscheinen und gibt der Skulptur die delikate Zerbrechlichkeit.
Lara Lu Faroqhis Glashäuser sind Objekte, denen jahrelange zeichnerische Auseinandersetzung mit Baukörpern voranging. In ihren Zeichnungen und Farbentwürfen, die architektonischen Aufrißzeichnungen entspringen, greift sie eigentlich kolossale geometrischen Baukörper auf, die in ihren Zeichnungen eine zarte Leere umschließen. Ihre Massivität wird durch das Bezeichnen der dünnen Außenhaut als Hülle bloßgestellt. In vielen kleinen architektonischen, modellartigen Skulpturen arbeitete Lara Lu an den Ausprägungen der unterschiedlichen Baukörper. Die Dreiergruppe der Glashäuser scheint das Thema einer dreischiffigen Basilka rhythmisch zu variieren. Durch die Entscheidung diese Körper in Glas zu gießen, nähert sie sich an jene Qualität an, die auch in frühen Zeichnungen zu finden war. Den Gegensatz von Massivität und Leere. Der Massivguß schließt ein Vorhandensein eines Innenraumes aus, jedoch durchdringt das Licht den Körper und durch seine Brechung im Innern des Glases entsteht Raum.