Dr. Hilgenstock, Berliner Morgenpost, 28.03.00
Durchsichtige Träume von Tausendundeiner wachen Nacht

Der Anblick ist kurios. Durch die eleganten, orientalisch anmutenden Glasbögen, die in der Galerie Breitengraser von der Decke hängen, blickt man hinaus in die graue Wirklichkeit. Aus einem Traum von Tausendundeiner Nacht erwachend, erkennt man auf der gegenüberliegenden Straßenseite die gutbürgerliche deutsche Schank- und Speisewirtschaft. Ein kleiner Kulturschock fast, den uns Lara Lu Faroqhi verpasst.

Mit ihrem Glasobjekt, das aus drei einzelnen großen Bögen besteht, die sich, je nach Standpunkt des Betrachters, entweder zu einem skulpturalen Block oder einer Reihe formen, gestaltet die Künstlerin einen transparenten Raum im Raum. Die Torbögen, die wie ein vergrößertes Schlüsselloch aussehen, öffnen sich zu einem Gang. Der Besucher ist eingeladen, durch die reizvolle Skulptur hindurchzugehen. Den Gegensatz der Kulturen gibt es beim Blick durch das Fenster gratis dazu.

Hätte das Ganze nicht diese offene Struktur, könnte man sich in einem zauberhaften Eispalast wähnen. Wie kleine milchig-trübe Eisbrocken erscheinen auch die drei Häuser, die die 31-Jährige in einer Ecke des Galerieraumes auf unterschiedlich hohen, mit Bienenwachs und weißem Pigment bearbeiten Holzsockeln platziert hat. Auch sie sind aus Glas und ähneln in ihrer Form dreischiffigen Basiliken. Es ist ihnen nicht anzusehen, dass sie so schwere Brocken sind, und man könnte sie auch für Wachsskulpturen halten.

Im Raum nebenan hat die gebürtige Berlinerin, die in Weißensee und London Bildhauerei und Malerei studierte, auf dem Boden ein dekoratives Muster an geometrischen Formen ausgelegt. Hier kommt erstmals ein wenig Farbe ins Spiel mit Licht und Raum. Die dunklen Glasstücke sind einem maurischen Fenster aus Cordoba nachempfunden und bilden eine Art Raumzeichnung auf dem Parkettboden, die auf die verschieden starken Lichtstrahlen, die durch das Altberliner Fenster in die Galerie fallen, spielerisch reagiert.

Mit Glas arbeitete die Künstlerin speziell für diese Ausstellung im room for contemporary sculpture zum ersten Mal. Die junge Kunsthistorikerin Andrea Breitengraser hat ihn im Oktober eröffnet. Sie möchte hier der zeitgenössischen Skulptur ein Forum bieten, die ihrer Ansicht nach in Berlin nicht angemessen präsentiert wird.

Im Sommer will Andrea Breitengraser junge Künstlerinnen und Künstlern aus Australien, Schottland, den USA und Deutschland eingeladen. Sie sollen sich in den Medien Fotografie, Video und Installation mit dem Thema Raum und Skulptur auseinandersetzen.

Galerie Breitengraser, room for contemporary sculpture, Sophienstr. 34, Mitte. Bis 4.5., Mi.-Sa., 14 - 19 Uhr. Preise: 750-9000 DM.