| Anita Wünschmann, Berliner Zeitung, 19.09.2000 |
| Aphrodite aus Papier - Louise Paramors filigrane Skulpturen in der Berliner Galerie Breitengraser |
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Die Skulpturen der Australierin Louise Paramor sind ungewöhnlich filigran und leicht: Sie braucht keinen Meißel, auch keinen Schweißbrenner für Eisen oder Stahl: Sie faltet Papier in Honigwabentechnik zu Skulpturen. Zu Beginn des Jahres baute sie in dieser Weise gleich einen ganzen Lustgarten ins Foyer des Künstlerhauses Bethanien, wo sie für ein Jahr im Rahmen des internationalen Atelierprogramms arbeiten konnte. Die kapriziösen Papierschaumberge entstehen in aufwändiger Kleinarbeit, doch sind sie kaum beständiger als eine Girlande. Das Unbeständige ist Konzept der 1964 in Sydney Geborenen. Ihr Thema, sagt sie, sei vergängliche Schönheit. Was sich jede Generation Jahrtausende hindurch als Ideal neu erschaffen hat, unterliegt heute einer enormen Halbwertzeit. Kaum gibt es Beständiges, und die Sehnsucht nach Makellosigkeit dreht sich in absurdem Wahn um immer neue Idole. Louise Paramor kann mit vollen Händen aus dem Repertoire der Popkunst schöpfen und spielt - vielleicht in betont weiblicher Sicht - überdies mit der infantilen Verzückung. Sie erschafft Illusionen, brüskiert die Erwartung der Betrachter, lässt sinnliche Reize erblühen und kalkuliert das schnelle Vergehen mit ein. Die Zartheit der Papiere, die duftig dekorative Oberflächengestalt und schließlich die pompöse Eleganz der ausladenden Volumen sind ästhetische Lockmittel, welche die Künstlerin - inspiriert auch von indischer Alltagskultur - einsetzt. Ihre Fantasiegebilde scheinen vom Raum Besitz nehmen zu wollen. Wabe an Wabe geklebt, wirken sie traumhaft monströs, als könnten sie sich immer weiter ausdehnen. Die Galerie Breitengraser, erst seit diesem Frühjahr in Berlins Szene-Mitte gegründet, widmet sich der zeitgenössischen Skulptur. Hier stellt Louise Paramor eine rote Aphrodite in den Raum, die eher an Oskar Schlemmers keglig geometrisch gebaute Ballettfiguren erinnert als an Botticellis Schöne auf der Venusmuschel. Die Australierin legt der Göttin eine verschlungene "Paradiesschlange" zu Füßen und errichtet ein kleines indisches Opferhügelchen. Ein Wandbild zeigt eine Trash-Venus, wie sie die Künstlerin auf einem der billigen Badetücher hier zu Lande entdeckt und abfotografiert hat. Das in der Galerie Breitengraser eingerichtete Skulpturengärtlein der Liebe changiert im Formenrepertoire von Kunst und Kitsch und scheint sich sogleich mit dem Abschied des Sommers wieder aufzulösen. Galerie Breitengraser, Sophienstraße 34, bis 26. 9. , geöffnet mittwochs bis sonnabends 14-19 Uhr. |