| Astrid Volpert, Berliner Zeitung, 10/11.03.01 |
| Der eigene Körper als Maß - Ev Pommer in der Berliner Mitte-Galerie Breitengraser |
|
Der Blick fällt auf "Kleid", "Fächer", "Schleier" und andere Accessoires. Man steht allerdings nicht in einer Modeboutique. Im "room of contemporary sculpture" in Berlin-Mitte geht es um Kunst. Die orientiert sich zwar in Titeln an der Mode, bezieht indes Positionen zeitgenössischer Skulptur. Ev Pommer stellt schon zum zweiten Mal hier aus. "Body language" passt in den modischen Trend der Mitte-Galerieszene, doch bei dieser jungen Berliner Bildhauerin und Zeichnerin führt der Titel tatsächlich ins Zentrum mutiger Experimente. Sie mag das Minimale, Strenge, auch wenn dabei bevorzugte runde Formen weibliche Ursprünge betonen. Sie arbeitet seriell und konzentriert an Objekten, deren plastische Formen als Modelle oder Formeln für innere Zustände und Situationen von Menschen dieser Zeit stehen. Ev Pommers "Weißer Fächer", der "Große Schleier" oder das "Lange Kleid" sind Codes des Zerbrechlichen und Rätselhaften unserer Existenz. In dünnen Hüllen oder im symbolischen Stützgerüst unsichtbarer Körperverbindungen sind physiologische Momente ebenso verarbeitet wie psychologische Erfahrungen. Die abstrakt-monumentalisierende Darstellung von Organen und Gefäßen, Schmuck und verschiedenen Alltagsdingen aus leicht form- und veränderbaren Stoffen wie Gips und Papier lässt einen irritierenden Kontrast zur trivialen Realität entstehen. Ev Pommer, die in den Neunzigern an der Kunsthochschule Weißensee bei Baldur Schönfelder und Rolf Szymanski studierte, reizt das alte Wechselspiel von Figur und Raum. Doch das klassisch "Ganzheitliche" in den Figuren ihrer Lehrer wirkt bei ihr kaum mehr nach: Vor allem nach Studienaufenthalten in New York, Mailand und Maastricht beschäftigt sie vor allem das plastische Gestalten immaterieller Wirklichkeit. Ihre neuen Objekte sind ganz bewusst Teilstücke zwischen Typisierung und Individualisierung von Figürlichem und Gegenständlichem. Auf diese Weise will die Bildhauerin verlässlich Auskunft geben über Charakter und Wesen eines Gebildes. Der eigene Körper wird zur Vorlage für das Maß ihrer Formen. Ihre filigran schwebenden weißen Körper-Konstrukte assoziieren das Gefühl sicherer Landung - und zwar ohne die Belastung, die dieser Akt bedeutet, zu verschweigen. Durch die Verbindung strenger Sachlichkeit mit kühler Schönheit entgehen die Skulpturen dem Absturz in langweilige Beschreibungen von Äußerlichkeiten. Galerie Breitengraser, Sophienstr. 34, bis 25. 3. Mi-Sa 14-19 Uhr |