| Wiebke Hüster, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.01 |
| Ohne Titel |
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Ein Parlamentsgebäude, das 9400 Mark kostet? Das AT&T Hauptquartier für 6500? Das Verkaufshaus von Ikea in Dortmund für 4800? Und das alles zum Mitnehmen: Immobilien als Mobilien. Die junge Hamburger Bildhauerhauerin Annette Streyl arbeitet nicht nur in Sandstein und Marmor, sondern auch in Wolle. Im Maßstab eins zu tausend strickt sie repräsentative Bauten nach, die der Mobilienbesitzer dann wahlweise über eine Leine hängen kann oder auf einem Gerüst aufzuspannen. In Umkehrung von Christos öffentlichen Reichstagsverhüllung begegnet man hier einer privaten Reichstagshülle - unsere Abbildung. Die Architektur nimmt anthropomorphe Züge an, die Kuppel wirkt als Mütze, die Lichtschächte als Durchschlupf für Arme. Die Fassade des AT & T - Gebäude zeigt sich als Muster eines Strickkleides und die an den blauen IKEA-Container mitangestrickte Zufahrtsstraße als grau-weiße Borte. In der Berliner Galerie "room for contemporary sculpture" sind die Wollsachen zusammen mit Kleinplastiken, die Mullcontainer, Briefkästen und Doppelgaragen in Stein darstellen, unter dem Titel "Streyl. Immobilien" zu sehen. Wer weniger Geld für Wollkunst ausgeben will, für den sind überdies gestrickte, bereits gerahmte Markenzeichen, BMW, Deutsche Bank - zu Preisen unter 500 Mark erhältlich. |