Rita Preuss, Tagesspiegel, 27.03.02
Liebe aus dem Groschenroman - Dralle Formen von Louise Paramor: "The Love Artist"

Sie findet ihr Material für Skulpturen und Installationen in Schnäppchenläden und auf Flohmärkten. In "The Love Artist" stellt Louise Paramor neue Objektgruppen aus trashigen Badehandtüchern und Liebesromanen vor. Die australische Künstlerin wählte besonders erotisch-kitschig bedruckte Handtücher aus: Mal rekelt sich eine vollbusige Blondine auf einem Motorrad, mal präsentiert sie offensiv ihre drallen Formen unter der Dusche. Paramor kommentiert die vulgären Darstellungen mit Buchtiteln wie "A Lovin' Spoonful", die sie unter die grellen Szenen stickt.

Die Bildunterschriften der eng einander gehängten Handtücher sind Zitaten ihrer zweiten Skulptur aus Liebesromanen. Aus den übereinander gestapelte Billighefte aus der Reihe "Mills and Boon", die in Australien und Großbritannien Bestseller sind, erhebt sich eine quadratische Skulptur. Das dritte Projekt ist eine Kombination aus der schwülstigen Coverästhetik der Groschenhefte und den ordinären Sexbildchen in Frottee.

Paramor vergleicht die abgedroschenen Klischeebilder von Liebe und Sex mit aktuellen Alltagssituationen. Dazu machte sie eine Fotoserie von befreundeten Paaren, die sie anschließend digital verfremdete. Deutlich wird, dass die Grenze zwischen realer Zweisamkeit und endlos reproduzierten Klischeebildern aus der Warenwelt verschwimmen. Paramor konfrontiert uns mit der Tatsache, dass selbst stereotype Bilder, von denen wir uns vehement distanzieren, längst einen Platz in unserer Ästhetik eingenommenhaben.