| Eva-Maria Schumann-Bacia, http://www.regioartline.org/, 29.5.2002 |
| art frankfurt 2002 II.Teil |
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Ansonsten fielen jede Menge gestickte und gestrickte Bilder und Teppiche ins Auge, wie der die Romantik aufs Korn nehmende, aus hellblauer Wolle gestrickte lebens- große Ritter „Rittersport“ (Patrizia Waller). Vielversprechend und interessant waren unter den „New Attitudes“ die Kojen der jungen Berliner Galeristen, die sich auch nicht scheuten, den Besucher direkt anzusprechen und für ihr Programm zu inter- essieren. Andrea Breitengraser (*1968) betreibt seit zwei Jahren in der Sophienstrasse in Berlin einen „room for contemporary sculpture“ (www.breitengraser.com). Auf der Messe zeigte sie die durch die Feuilletons inzwischen schon salonfähige Kunst der Australierin Louise Paramor, die zwischen Trash, Partyschmuck und barocker Pracht lavierenden gigantischen Seidenpapierfächer, Faltskulpturen sowie auch die populäre Kitschmotive von Badehandtüchern aufblasenden Teppiche, die Pop- Kultur ironisieren. Die Hamburger Steinbildhauerin Annette Streyl (*1968) Meisterschülerin von Franz- Erhard-Walther, HfBK Hamburg, lieferte für Frankfurt maschinengestrickte „Anzüge“ von Architekturen wie dem Reichstag, der roten Infobox des Potsdamer Platz’ oder der Deutschen Bank Frankfurt: Über die Leine gehängt wirken die Gebäude als „Wäsche“ sehr machtberaubt und komisch! Die junge Künstlerin will jenseits der Generation von Rosemarie Trockel ihre Ironie entfalten. Mit Zuckerwatte versüßte der Thüringer Henrik Schrat (*1968), ausgebildet an der HfBK Dresden, bei dem Galeristen Olaf Stüber den Konsum Ware Kunst. Stüber zeigt seit drei Jahren in Berlin-Mitte Positionen der zeitgenössischen Kunst, die den aktuellen Diskurs aktiv weiterführen ( www.artfacts.net/olaf-stueber). So loten Schrats lasergeschnitzte Sperrholzarbeiten „Grüsse aus dem Erzgebirge“ den Widerspruch zwischen romantischer Ideologie und digitaler Kunst aus. Man er- innere sich, als er vor zwei Jahren monatelang die riesigen Wände des großen Handelssaals der Frankfurter Wertpapierbörse mit gebrauchten Bonbonpapieren tapezierte! An der Kunstakademie London, der Slade- School, plant er gerade das Projekt: „Manager- in- residence“, um die Verbandelung von Kunst und Wirtschaft ironisch zu hinterfragen. Die Dreher Schüler Delbrügge & de Moll zeigten auf Stübers Stand ihr Konzept: “The Gallery I’m dreaming of...“, das Remy Zauggs: „Das Kunst- museum, das ich mir erträumte“ zeitgerecht paraphrasiert. Ergänzt wurde das Messeprogramm durch drei Sonderausstellungen „Curators Choice“ von jungen russischen Kuratoren und Künstlern, die spannende und hochqualifizierte Kunstvideos, Kurzfilme, TV-Kulturprogrammausschnitte und Künstlerdokumentationen in zentralen Meeting- Points zeigen konnten. Für ein eingehendes Studium dieses interessanten Angebots hätte es allerdings viel mehr Zeit bedurft, als man auf einer Messe bei der Fülle des Angebots wahrnehmen kann. |