Dr. Sigrid Wollmeiner, Junge Kunst 51, 6/2002
(Verkaufs-) Raum für Skulptur - in Deutschland eine Seltenheit? Zwei Berliner Beispiele für Skulpturengalerien

.....room for contemporary sculpture

Andrea Breitengraser zeigt in ihrem room for contemporary sculpture junge Künstler, die Skulpturen, Objekte und Installationen erschaffen. Der englische Name ihrer Galerie ist bewusst gewählt, nicht weil sie neben deutschen auch internationale Künstler ( u.a. aus Australien und Schottland) vertritt, sondern weil der Begriff sculpture mehr umfasst als das deutsche Wort Skulptur und nicht nur die bildhauerische Plastik meint, sondern das dreidimensionale Objekt sowie die Rauminstallation mit einschließt. Studien und Arbeitsaufenthalte in Chicago und New York sowie Kontakte zu Künstlern und ihre journalistische Tätigkeit weckten in der Kunsthistorikerin das Interesse an skulpturalen Objekten im weitesten Sinne. So lag es nicht fern, die Auseinandersetzung mit Skulptur öffentlich über einen Ausstellungsraum zu führen. Und obwohl Freunde die gebürtige Berlinerin davor warnten, beschränkte sie sich in den kleinen Räumen in der Sophienstrasse im Scheunenviertel von Berlin, nicht weit von den Hackischen Höfen und der Auguststrasse, seit Anfang 2000 darauf, dreidimensionale Objekte und Rauminstalationen zu präsentieren . Da nicht der Verkauf der auf etwa sechs Ausstellungen pro Jahr gezeigten Objekte, sondern die Präsentation und Vermittlung im Vordergrund stehen, folgt die junge Kuratorin dem amerikanischen Beispiel und sucht sich zur Finanzierung ihrer Ausstellungen Unterstützung in der Privatwirtschaft und bei Institutionen. Doch auch die Käufer blieben nicht aus. Interessanterweise entdeckten vor allem Sammler aus dem Rhein-Main Gebiet sowie aus dem süddeutschen Raum, weniger aber das Berliner Publikum das abwechslungsreiche Angebot. Auch Studenten und Praktikanten opferten schon ihr erspartes, um eine Skulptur zu erwerben.

Von März bis Mai 2002 präsentiert die Galerie bereits zum zweiten Mal die australische Künstlerin Louise Paramor. In ihrer ersten Ausstellung zeigte diese überdimensionale Papierarbeiten, die in ihrer Falttechnik von Girlanden oder Lampions abgeleitet sind. Mit vergänglichen Objekten, die durch ihre Größe und sinnliche Präsenz eine ganz eigene ästhetische Dynamik entwickeln, letztendlich aber inhaltslos bleiben, persifliert die Künstlerin unsere Konsumkultur. In ihrer zweiten Ausstellung bei Breitengraser radikalisiert die Künstlerin ihre Thematik durch die Anhäufung von Liebesromanen und die fahnenartige Installation von Handtüchern mit kitschigen Pin-up-Motiven, die z. T. stark an Motive der Popart erinnern und ein Klischee von Romantik und Erotik repräsentieren. Mitte Juli dieses Jahres werden parallel zur Internationalen Architekturkonferenz u. a. architekturbezogenen Objekte der in Hamburg lebenden Künstlerin Annette Streyl zu sehen sein.....

So unterschiedlich die Positionen der hier vorgestellten Galerien erscheinen, versuchen sie doch beide dem Publikum die dritte Dimension der Kunst näher zu bringen.

Andrae Breitengraser stellt ein breites internationales Spektrum künstlerischer Positionen, die sich der zeitgemäßen künstlerischen Ausdrucksweise entsprechen Raum ergreifen äußern, zur Diskussion.