Qpferdach, Tip BerlinMagazin, 25/02
Kunst zum Sehen

Kunst ist sinnlich. lässt den Atem anhalten. stört. ist ein Schatz. macht reich. ist arm. verführt.

Einige Kunstexperten, die es wissen müssen, haben wir gefragt, wo ihr Lieblingsort ist und was ihr Lieblingsbild ist oder ihre Lieblingsskulptur. Erstaunlicherweise trifft man sie häufig dort, wo es auch die Masse der Museumsbesucher hinzieht - auf die Museumsinsel, in den Hamburger Bahnhof und in die Gemäldegalerie. Unsere Fotografen Harry Schnitger und Jens Berger haben sie vor Ort fotografiert.

wild und gigantisch

"Das Berliner Pergamonmuseum hat eine wichtige Schlüsselfunktion für den Beruf, den ich heute ausübe. Ich bin Galeristin für zeitgenössische Skulptur. Ich arbeite mit jungen, internationalenKünstlern zusammen, die zu einzigartigen, zeitrelevanten künstlerischen Formulierungen kommen. Die Begegnung mit originalen Kunstwerken gehört immer zu den wichtigsten Momenten in meinem Leben. Ein Punkt, der gerade in Bezug auf die aktuelle bauliche Entwicklung - "Archäologische Promenade" - der Museumsinsel eine Rolle spielt, muss erwähnt werden: Es sollten Bedingungen geschaffen werden, in denen es trotz der Besucherströme zu Zwiesprache zwischen Kunst und Betrachter kommen kann. Die Beständedes Museums führen uns im Medium Skulptur antike Kunstwerke vor Augen, die die zwei möglichen Ausprägungen guter Skulptur repräsentieren, welche über Jahrtausende für den Betrachter Bestand behaltenhaben. Der Pergamonaltar ist ein Kunstwerk, dessen Ausführung genialer Verbildlichung komplexer intellektueller Zusammenhänge folgt. Ein Werk, das den Unwissenden beeindruckt und ahnen lässt, doch dessen Verständnis sich der Betrachter geistig erobern muss. Das Erhabene der Anlage, das Gigantische der Ausmasse des Frieses, das Wilde, Heroische der Figurendarstellungen fordern zur Auseinandersetzung, der man sich als Individuum nicht entziehen darf. Dem Pergamonaltar begegnet man einmal, kann ihn nicht vergessen, und man kommt gewappnet immer wieder."

Andrea Breitengraser