| Corinna Daniels, Die Welt, 28.02.2003 |
| Hübsch missgebildete Klonbrüder aus Holz und Aluminium |
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Guck mal, was da wächst! Die „Bodycharmers“ des Bildhauers Jan Thomas bei Breitengraser Klonschaf Dolly lebt nicht mehr, es vergreiste frühzeitig. Matilda ist auch soeben verblichen und was das geklonte Baby der Raelianer-Sekte macht, weiß der liebe Gott. Vielleicht wächst ihm gerade etwas aus dem Leib, was dort nicht hingehört. So wie den stoischen „Cowboys“ des jungen Bildhauers Jan Thomas. Seine männlichen Mutanten tragen merkwürdige Euter. Inmitten einer Herde von Kühen, von denen einige geflügelt sind, stehen die Figuren aus Pappelholz und erinnern uns, dass wir mit unseren Allmachtsfantasien doch besser auf dem Erdboden der Tatsachen bleiben sollten, die die Natur geschaffen hat. Mit der Unsterblichkeit ist das so eine Sache. Dem Künstler ist es vorbehalten, sie zu gestalten, Zeichen zu setzen – zur mahnenden Erinnerung und zur Freude natürlich. Die Wichte mit den Wasserköpfen des an der Burg Giebichenstein, der Hochschule für Kunst und Design in Halle, ausgebildeten Künstlers sind denn auch charmant anzuschauen. Aus jeweils einem hellen Holzstamm gehauen, finden sich die Figuren auf einem Sockelstück stehend in den Räumen der Galerie Breitengraser, die dem 32-Jährigen die erste Einzelausstellung in Berlin ausrichtet. Dort sind die „bodycharmers“, aus denen seltsame Organe, Tierschnauzen oder zweite Gesichter wachsen, zu Gruppen angeordnet. Wichtig sei ihm neben der puren Form (ohne Farbauftrag) auch das Erzählerische, berichtet der gebürtige Niedersachse. Dies kommt in den Ensembles besonders gut zum Ausdruck (und in der Grafik). Die rohen, naturbelassenen Skulpturen stehen aufgrund von Alter und Qualität des Holzes eben nicht makellos in Reih und Glied. Der Betrachter sieht vielmehr alle Visionen von makellosen Embryonen angesichts der hübsch missgebildeten Klonbrüder schwinden. Er freundet sich an mit den – oft phallischen – Verunstaltungen der auch Lebensgröße erreichenden Figuren. Deren sinnliche, physische Präsenz ist stark und eigenwillig. Die Preise bewegen sich von 120 Euro für einen kleinformatigen Holzschnitt bis 9800 Euro für die 16-teilige Figurengruppe aus Pappelholz „Some cows and cowboys“. Der Aluminiumguss eines „Handträgers“ aus dem „Szenario: urban jungle“ (Auflage 3) kostet 5500 Euro. Für 1050 Euro gibt es bereits einen der reizvollen „Organcharmers“, eine ca. 30 cm große Pappelholzskulptur. |