Veit Stiller, Die Welt, 11.04.03
Aus den Galerien II
Breitengraser, Irene Hug - In Andrea Breitengrasers "Rom for contemporary sculpture" wird es derzeit wörtlich genommen: Akteurin der mit einem Happening an und auf der Spree gestarteten Ausstellung ist die 1964 in Zürich geborene Irene Hug, die in Amsterdam studierte und dann sofort nach Berlin kam. Und was gibt's zu sehen, raumfüllend und in Farbe? Schrift. Von einem in Sao Paulo entstandenen Foto einer Autoreparaturwerkstatt ausgehend, hat Irene Hug das dort herrschende Sprachgewirr zum Thema genommen und in (fast) babylonische Höhe, jedenfalls aber in die schrille Werbeästhetik unserer Tage gebracht. Schilder, Kanister und Fässer setzen das auf die Wand tapezierte Foto in den Raum hinein fort. Die grelle Werbung mit platten Sprüchen und hintergründigen Wortspielen scheint Kammer und Gelass zu überschwemmen, wie vom Zauberlehrling gerufene Geister. "Did you really think I took it seriously?" Und wer sich in die von Irene Hug im Alltag gesammelten Versatzstücke und Hülsen verguckt: Schrift-Bilder 3500 Euro, Kanister und Fässer 1000 Euro. Bis 14. Juni.