Karl Heinrich, Die Welt, 27. Feb 2004
Gegen den Strich - Philip Simmons bei Breitengraser

In einer Zeit, da alles erlaubt ist, jede Verquollenheit und jeder Splitter zu Philosophie und Kunst erhoben werden, scheint es aussichtslos, wider den Stachel zu löcken oder gegen den Strich zu bürsten. Der junge Amerikaner Philip Simmons, der erst Englische Literatur, dann Architektur und Design und endlich Bildende Kunst studierte, zuletzt in Hannover und an der Berliner UdK, wagt den Versuch dennoch.
"Against the Grain" heißt die Ausstellung, die er jetzt bei "Breitengraser - room for contemprory sculpture" zeigt. Er gibt seinen Arbeiten eine einzige Funktion, die der Schönheit. Und weil das auch der einzige Nutzen seiner Objekte sein soll, baut er sie aus an sich nützlichen Materialien, wie Fußbodenbelag oder Lack, und enthebt sie so ihrer eigentlichen Aufgabe. Sie haben nur noch Struktur und Ästhetik. In den Formen der Objekte, die Simmons baut, greift er auf Design-Elemente zurück, verändert und variiert sie aber so gegen den "natürlichen" Wuchs, dass reine Formspiele entstehen.
Seine "Lion-Types" haben mit nichts Ähnlichkeit, erinnern bestenfalls an Figur gewordene Kurvenlineale oder Notenschlüssel. In einer zweiten Werkgruppe behält er die clean glatten Oberflächen bei, gibt den Objekten allerdings konkrete Formen. So ein stilisiertes Skelett in der Hommage an Giacometti "WWTC" (Woman With the Throat Cut). So ist das alles, hier etwas konkreter, da einmal abstrakter, ein Ausloten der Grenzen und der möglichen Schnittmengen von Kunst und Formgestaltung. 1200 bis 3500 Euro.