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1970 in Kirsehir geboren. Später, 2001, in Braunschweig
studiert. Abgeschlossen als Meisterschülerin von Marina Abramovic, der
Abramovic, der Grande Dame der performativen Bilderweckung.
Nezaket Ekici, ein Name, den man sich merken sollte.
Denn gerade vor ihrem Hintergrund als Abramovic-Schülerin ist es bemerkenswert,
dass Ekici es versteht, sich aus der inspirierenden Umarmung der
Alt-Meisterin zu lösen und sich einen ganz eigenen Ausdruck zu erarbeiten.
Sie gehört also nicht zu den unzähligen Performern, die noch immer unter
dem »Abramovic-Syndrom« leiden: die in ihrer Arbeit über einen flachen
Abklatsch des Ansatzes ihrer Professorin nicht hinauszuwachsen verstehen.
Denn Ekici ist stark. Und sie hat verstanden: Performance kann weit mehr,
als über die rauhe und zuweilen unbarmherzige Arbeit am eigenen Körper
Effekte zu haschen. Sie kann, wenn charismatisch und konsequent gezeigt,
Bilder konstruieren, die das zeitliche Korsett der begrentzten Darbietung
zu sprengen vermögen. Die sich nämlich nicht nur im Hirn, sondern auch
im Gefühl festsetzen. So gesehen kann man also an einer guten Performance
ebenso lange knabbern wie an jedem anderen zeitlosen Werk. Kann sich daran
in Gefühlen erinnern wie an einen Duft aus Kindertagen...
Konkret: Ekicis Themen sind vielfältig in unterschiedlichsten inhaltlichen
wie formalen Bedeutungsebenen vernetzt. Identität, Frauenrolle, die Liebe
zu den Menschen und persönliche Grenzen auf der einen, Zeit, Form und
Struktur auf der anderen Seite, diametral in einander verwoben. So hinterfragt
sie auch in ihrer aktuellen Ausstellung, in der Galerie Breitengraser,
noch immer bestehende Klischees von Frauenbildern. Dabei hält sie ihre
Persönlichkeit nicht heraus und thematisiert auch die unterschiedlichen
Bilder von Orient und Okzident. Visualisiert muss man sich das in etwa
so vorstellen: Eine mehr oder minder nackte Muslimin, in aller Öffentlichkeit,
auf erhaben weissem Sockel, aus einem mit Wasser gefüllten Urinbeutelkleid
pinkelnd, wie eine Springbrunnen-Skulptur westlicher Klassik. Das alles
geschieht im extra für die Performance blau getünchten Raum der Galerie,
der an eine Blue Box erinnert. Wie um klar zumachen, dass diese Performance-Skulptur
auch ortsunabhängig funktioniert. Und das tut sie. Nicht ohne körperliche
Anstrengung, na klar, aber wie immer bei Nezaket Ikici auch anmutig und
voll Poesie, getränkt in bittersüße Ironie.
Deshalb wünschen wir ihr alles Gute. Und ihrer jungen Galeristin, Andrea
Breitengraser, einen herzlichen Glückwunsch zu dieser mutigen Erweiterung
des Programms ihrer Galerie ‘Breitengraser - room for contemporary art
and sculpture’ Und: dass ihre Courage auch belohnt wird. Spätestens zur
nahenden Kunstmesse in Frankfurt, auf welcher sie Ekici erstmals empfehlen
wird.
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