| Veit Stiller, DIE WELT, 22.10.2004 |
| Die Sprache der Hände bei Breitengraser |
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Andrea Breitengrasers "room for contemporary sculpture" wird einmal mehr seinem Ruf gerecht, medienübergreifende und außergewöhnliche Positionen skulpturaler Arbeit vorzustellen. Die aktuelle Schau ist "The Last Supper" betitelt und zeigt Arbeiten von Keith Thompson. Der, 1972 in Edinburgh geboren, studierte in Glasgow und Barcelona und ist zum dritten Mal bei Breitengraser zu Gast, diesmal mit zwei mehrteiligen Arbeiten. Daß gerade britische Künstler gerne in der Kunstgeschichte kramen und Juwelen hervorholen, denen sie einen anderen Schliff verpassen, ist bekannt - die Chapman-Brüder haben es, beispielsweise, mit Goya getan. Und mit afrikanischer Stammeskunst. Und Keith Thompson tut es auch, auf seine Weise. "Incarnate" reflektiert Leonardo da Vincis schon "überbekanntes" Gemälde - Thompson gibt die Abendmahls-Runde jedoch nicht mit den handelnden Personen wieder, sondern zeigt in gleicher Reihung nur jeweils eine Hand der Jünger in beredter Haltung, von Jesus allerdings beide. Die Hände sind in einem der Computertomographie ähnlichen Verfahren "fotografiert" und dann Schicht für Schicht auf Glasplatten aufgebracht worden, die dann zusammengeklebt wurden. Im dem so entstandenen Block, der von hinten wie eine Reliquie angeleuchtet wird, entsteht ein räumliches Bild der Hand. In der zweiten Arbeit sind auf gleiche Weise vier unterschiedliche Handpaare dargestellt: betend, verschränkt und so fort. Sehr suggestiv, mit ganz eigener Faszination, in viele Richtungen assoziativ und zur Besinnung anregend. Das Abendmahl kann nur komplett erworben werden (14 000 Euro), die Handpaare kosten jeweils 3000 Euro. |